Kompetenz in Sachen Harmonikas und Akkordeons

Der Hanslmüller

Hanslmüller Jun.

Der Müller und Landwirt Franz Bauer, besser bekannt als der Hanslmüller, hat sein Leben der Volksmusik und hier speziell der Ziehharmonika verschrieben. 1946 tauschte er gegen Mehl und Gries eine Harmonika ein. Die ersten Stücke lernte er von seinem Vater, der Mundharmonika spielte. Weitere Stücke lernte er beim Gowei Sepp (Josef Weidinger aus Haslberg), u.a. waren es Stücke des damals sehr bekannten Mühlberger Michl. Als junger Bursche bestellte er auch bei Tanzveranstaltungen immer bestimmte Stücke der Jandelsbrunner Blasmusik, die er dann auf dem Nachhauseweg pfiff und zuhause sofort mit der Ziehharmonika übte. Auf diese Art hat er viele Musikstücke erhalten, die nach dem Tode der Musikanten verloren gewesen wären. In mehreren Fernsehsendungen im Bayerischen Rundfunk (u.a. Eibl Sepp, Gerald Groß) wurden seine Verdienste dokumentiert.

Nach dem Tod seines Vaters 1955 mußte er die Mühle übernehmen. Im gleichen Jahr heiratete er auch seine Frau Maria. Dies zusammen war für ihn das Ende seiner "Jugendzeit", und er hörte mit dem Harmonikaspielen auf.

1966 wurde in der Nibelungenhalle in Passau ein Sänger- und Musikantentreffen (Bayerischer Dreiklang) durchgeführt, das vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet wurde. Er nahm daran teil, und sein Auftritt wurde im Rundfunk gesendet. Das war in der damaligen Zeit eine Sensation. 1968 nahm er an einem weiteren Treffen teil, und er wurde abermals im Rundfunk gesendet.
Dies machte ihn weithin bekannt und es kamen die ersten Schüler, die er das Harmonikaspielen lehrte. Unzähligen Kindern hat er das Spielen mit der Ziehhamonika beigebracht. Dies fand seinen Höhepunkt beim Gewinn des "Zwieseler Fink" durch die "Müller Buam". Dies löste auch eine Euphorie bei Eltern und Kindern aus, es den Müller Buam nachzumachen.

Hanslmüller

Im Jahr 1976 organisierte er das erste Harmonikatreffen in Lackenhäuser, was zu der Zeit in der Gegend noch ein Novum war. Die Idee hierzu hatte er vom damaligen Öllerer sen. in Freilassing, denn in Oberbayern gab es diese Art der Veranstaltungen schon länger. Das erste Treffen in Lackenhäuser wurde von dem großen Ansturm der Besucher fast überrollt. Auch die weiteren im Jahresabstand durchgeführten Treffen waren jeweils sehr erfolgreich. Durch seine guten Kontakte konnte er immer wieder bekannte Harmonikaspieler verpflichten, auf seinem Treffen zu spielen. 

Nachdem die Harmonikatreffen in Lackenhäuser immer größer und dadurch kaum mehr durchführbar wurden, beendete er diese und spezialisierte sich auf Harmonikatreffen für junge Harmonikaspieler im Rahmen des jährlichen Dorffestes in Wollaberg. Damit wollte er diesen jungen Spielern die Gelegenheit geben, vor Publikum aufzutreten und ihr Können zu beweisen. Diese Treffen gibt es bis heute und sind immer sehr gut besucht.

Mühle
Walzenstühle
Ausbau Mühle

Den Beruf des Müllers auf der Hanselmühle übte er bis 1984 aus, als er schließlich den Mühlenbetrieb aufgab und die Mühleneinrichtung verkaufte. Im selben Jahr mußte er sich einer sehr schweren Operation unterziehen. Er konnte keine körperliche Arbeit mehr ausführen und verlor fast seinen Lebensmut. Aber die intensive Beschäftigung mit der Reparatur von Harmonikas und dem Harmonikaspiel gab ihm neuen Aufwind, mit dem er die Folgen seiner Krankheit meisterte.

Am 23.01.1993 wurde ihm der Kulturpreis des Landkreises Freyung-Grafenau für seine Verdienste verliehen. Die Laudatio hierzu hielt Wolfgang Mayer vom Institut für Volkskunde in München, der einen sehr guten Überblick über das Leben und das Wirken des Hanslmüller gab. Er hob besonders die Überlieferung von 60 Musikstücken aus der Gegend hervor, die nun in seinem Institut archiviert sind und daher nicht mehr verloren gehen können.

Am 22. Februar 2001 wurde von der Beratungs- und Forschungsstelle für Volksmusik in Ostbayern eine CD und ein Notenheft herausgegeben, die das überlieferte Harmonikaspiel in Ostbayern dokumentieren ("Musikantn, zoigts a!"). Hier ist auch der Hanslmüller enthalten.
(Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e.V., Ludwigstr. 23, 80539 München)

Bauer Koehler Geburtstag
Foto: Robert Pfiffer/PNP

Am 03.07.2004 durfte der Hanslmüller, ausgewählt von der Passauer Neuen Presse, an der Tafel der Demokratie in Berlin teilnehmen. Dies war eine Veranstaltung zu Ehren des neu gewählten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Prof. Dr. Horst Köhler. Hier hatte er Gelegenheit, dem Bundespräsidenten mit seiner Ziehharmonika das Stück "Mia san vom Woid dahoam" ("Wir sind im Bayrischen Wald zuhause") vorzuspielen und mit ihm und seiner Frau ein paar Worte zu wechseln.

Diese Begegnung hat ihn sehr beeindruckt und er sprach noch lange von der herausragenden  Persönlichkeit  des Bundespräsidenten.

Nachdem er im September 2004 seinen 75. Geburtstag feierte, haben seine Kinder das nebenstehende Foto zum Bundespräsidenten gesandt, der es mit Geburtstagswünschen versah und unterzeichnete.

Als er Ende 2007 stürzte und sich dabei verletzte, hat er sich davon nicht mehr richtig erholt. Er starb unerwartet am 11.12.2008 im Alter von 79 Jahren, nur knapp zwei Monate nach seiner geliebten Ehefrau Maria.

Die Beerdigung fand am Montag, den 15.12.2008 in der Pfarrkirche Wollaberg statt. Eine sehr große Zahl von Trauergästen begleitete ihn auf seinem letzten Weg. An seinem Grab wurde zum Abschied eines seiner Stücke gespielt. Die Passauer Neue Presse (PNP) hat einen Nachruf sowie einen Bericht über die Beerdigung verfasst. Sie hat uns erlaubt, die beiden Artikel hier zur Verfügung zu stellen.

Erinnerungen an Hanslmüller

Einige der Stücke des Hanslmüller  wurden von Christian Peter in einem Notenheft dokumentiert.

Diese Notenheft kann über das Kontaktformular bei Alois Bauer angefordert werden. Es wird Ihnen dann zugesandt. Bitte geben Sie die vollständige Adresse an.


Der Hanslmüller